Ein klassisches Szenario der heutigen Jugend: Man hängt vor dem Fernseher und schaut MTV oder Viva. Natürlich wird dabei das Programm alle zehn Minuten von Werbung unterbrochen. Zwischen den ganzen Werbefilmen für Handyklingeltöne, Logos und Software, mit der man den beworbenen „Schwarm“ nackt betrachten kann (dass ich nicht lache), fällt ein Werbespot besonders auf: Eine in grün gehaltene Getmobile-Werbung, die irgendwann in jedem Werbeblock erscheint, verspricht einem tatsächlich einePlay Station 3, ein Laptop und ganze zwei Kamerahandys für 0Euro! Fantastisch! Da muss man doch zuschlagen! ...Oder?
Ich hoffe, niemand ist so naiv zu glauben, dass dieser Handy-Shop tatsächlich die oben genannten Produkte einfach so aus dem Fenster wirft. Im Leben ist nichts umsonst, vor allem nicht im Fernsehen. Aber wo bitte ist der Haken?
Der Haken hat in diesem Falle die Form eines kleinen Sterns, steht unscheinbar rechts oben neben dem Preis (0Euro!) und verweist galant auf das Kleingedruckte. Hier heißt es dann „Paketpreis nur in Verbindung mit Mobilfunkangebot“. Oder anders gesagt: Mit unseren so genannten Spartarifen verdienen wir mehr als du glaubst!
Laut der Internetseite getmobile.tv spart man angeblich 1076Euro bei diesem Paket. Ich habe nachgerechnet, welchen „Gewinn“ man als Kunde wirklich macht.
Gemäß den Angaben des Handy-Shops errechnet sich die Ersparnis aus „der Summe der Einzelpreise jedes Artikels“, das wäre dann nach Adam Riese (oder vielleicht doch eher nach Getmobile?):
Eine Playstation 3 399,00 Euro
Ein HP Notebook 550+499,00 Euro
Zwei Sony Ericsson K200i Handys+2*89,00 Euro
=1076,00 Euro
Sucht man diese Artikel in einer Preisvergleichssuchmaschine wie idealo.de, erhält man aber weit günstigere andere Preise. Würde man diese Produkte also bei anderen Anbietern kaufen, ergäbe das:
Eine Playstation 3 369,00 Euro
Ein HP Notebook 550+348,00 Euro
Zwei Sony Ericsson K200i Handys+2*41,90 Euro
=800,80 Euro
Die Ersparnis ist also für mich schon einmal um satte 275 Euro geschrumpft. Man sollte dabei auch beachten, dass Getmobile die Artikel bei Großhändlern einkauft und vermutlich noch billiger erhält. Aber Verlust machen sie so doch irgendwie trotzdem noch, oder?
Wenn man sich weiter durchs Kleingedruckte kämpft, erfährt man, dass sich die Ersparnis ohne die Mobilfunkverträge errechnet. Das ist wirklich sehr schön, aber ich kaufe leider Gottes den „Spartarif“ nun einmal gezwungenermaßen mit und darf ihn in den ersten zwei Jahren auch nicht kündigen. Wie viel muss ich also letztendlich doch bezahlen?
Im Laufe besagter Fernsehwerbung erscheint dann ein Screen mit einigen Details zum angebotenen Handyvertrag und so schlimm klingt das eigentlich nicht. Davon abgesehen, dass mit „freier Netzwahl“ und „keine Anschlussgebühren“ geworben wird, hat man „monatlich nur 4,95€ Grundgebühren je Vertrag“. Am untersten Rand wurde dann noch in kleinerer Schrift „Laufzeit je 24 Monate“ geschrieben! Ich muss also den Vertrag mindestens 24 Monate nutzen und kann dies auch nicht ändern. Das macht also 24*4,95 Euro = 118,80 Euro.
Interessanterweise kaufe ich aber 2 Handys und somit auch 2 Verträge! Das ganze verdoppelt sich also auf 237,60 Euro.
Dann sollte noch der vierten Punkt der auf dem Bildschirm erscheinen Konditionen angesprochen werden: „Mindestnutzung von einer Minute pro Tag“. Das klingt zunächst recht unscheinbar, heißt aber in Wirklichkeit, dass einem Kunden jeden Tag die Gesprächskosten von einer Minute abgezogen werden. Dies geschieht auch dann, wenn ich gar nicht telefoniert habe! Laut der Homepage beträgt dann dieser „Mindestgesprächsumsatz“ 9,70 Euroim Monat. Diesen Betrag muss ich also noch einmal zusätzlich im Monat bezahlen, auch wenn ich noch kein einziges Gespräch geführt habe. Auch hier gilt selbstverständlich die 24-Monats-Regel: 24*9,70 Euro = 232,80 Euro. Es darf aber eines nicht vergessen werden: Der Kunde bekommt zwei Verträge. Wir verdoppeln also wieder und kommen so auf 465,60 Euro zusätzliche Kosten.
Wurde nun alles bedacht? Nein, das wäre schön! Es gibt noch einen fünften Punkt, der dem Kunden ein „tolle“ Dreingabe verspricht: Ein „Jamba-Flat Paket 1 Monat gratis“! Ganz davon abgesehen, dass ich mir Klingeltöne, Bilder und Logos von Schnuffel, Eddy Bär oder weiteren kranken Viechern nicht einmal gratis runterladen möchte, gibt es auch hinter diesem Satz wieder einen putzigen kleinen Stern, der auf eine kleingedruckten Tariferklärung verweist, die mich als Kunden weitere Kosten verursacht. So kann man folgendes lesen „Jamba-Flat 1 Monat gratis, danach 5Euro/Mt. je Vertrag“! Tatsächlich liegt auch hier die Laufzeit bei den 24 Monaten. Geworben wird also mit einem Monat Gratis-Jamba - was der Abonnent aber bekommt, ist somit ein 23-monatiger 5Euro-Jambavertrag, den ich noch nicht einmal kündigen kann. Das Beste dabei sind die beiden wichtigen Wörter „je Vertrag“, also auch diesen Vertragsbestandteil kauft man wieder für beide Handys.
Zusammengerechnet macht das dann für 23 Monate * 2 Handys * 5Euro = 230,00 Euro zusätzlich.
Letztendlich bezahle ich also für das Gesamtpaket folgende Gebühren:
Grundgebühr237,60 Euro
Mindestgesprächsumsatz+465,60 Euro
Jamba-Flat Paket+230,00 Euro
=933,20 Euro
Es tut mir ja leid, aber was hierbei gratis sein soll versteh ich beim besten Willen nicht.
Interessant sind allerdings auch die Minutenpreise. Laut Fernsehwerbung liegen diese zwischen 0,19€ und 0,79€. 19 Cent die Minute klingt eigentlich noch ganz vernünftig. Auch hier bringt einen die Homepage auf den Boden der erschreckenden Tatsachen zurück. Manche Anrufe kosten zwar tatsächlich nur 19 Cent, aber nur dann, wenn ich am Wochenende und an Feiertagen auf das Festnetz telefoniere, was ich persönlich irgendwie viel zu wenig nutze. Alle anderen Gespräche kosten dann natürlich schon wesentlich mehr; würde ich werktags telefonieren, kostet die Minute plötzlich schon 69 Cent. Sollte ich ein anderes Handy anrufen, würde mir mindestens 49 Cent/Minute abgezogen, oft sogar noch mehr.
Auch der Preis für eine SMS ist mit 19 Cent schon an der oberen Grenze des Marktes. Dazu kommt, dass sie SMS-Preise nicht auf den Mindestgesprächsumsatz anrechenbar sind.
Natürlich wird niemand gezwungen mit den Handys so viel zu telefonieren. Leider werden aber viele Menschen, allen voran Jugendliche - also genau die Zielgruppe von MTV und Viva - auf solche Verträge eingehen. So ist der Mindestgesprächsumsatz schnell erreicht, der Jugendliche sitzt im schlimmsten Fall vor einer astronomisch-hohen Telefonrechnung und Getmobile bekommt die Investition in die feilgebotenen Geräte wieder rein.
Nicht, dass ich falsch verstanden werde! Das Ganze ist kein Betrug oder ähnliches – schließlich wird der Kunde (wenn auch etwas versteckt) über die Folgekosten informiert!
Ich will folglich Getmobile nichts vorwerfen. Ich will mit meinem Artikel nur davor warnen, vorschnell Verträge abzuschließen, ohne sich genau über die Folgekosten zu informieren. Die dargestellte Werbung erweckte bei mir zuerst den Anschein, man bekomme eine Playstation gratis. Dabei wurde mir nicht sofort klar, wie viel ich für den angebotenen Vertrag in der Summe wirklich bezahlen müsste. Ob das anderen jugendlichen Kunden, die oftmals über die Eltern solche Verträge abschließen, anders geht, möchte ich bezweifeln
Leider heißt das für mich auch, dass ich für die Play Station 3 immer noch sparen muss.
Cool!
Geschrieben von: Casy () am 13.11.2008 16:17